Geschichte

Der „Bayerische Schafkopf“ hat seine Vorfahren oder Parallelen im Wendischen Schafkopf, der aus dem Erzgebirge oder Thüringen stammt, dem L`Hombre, dem Deutsch-Solo, dem Dreihand-Schafkopf und dem Tarock. Letzteres Kartenspiel entstand in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts in Italien und verbreitete sich während der Habsburger Monarchie vor allem in den Varianten Königrufen, Zwanzigerrufen, Neunzehnerrufen, oder das Strohmandeln. Das Tarockspiel ist noch heute in Frankreich und Österreich verbreitet. Im Schwarzwald wird die Variante „Cego“ gespielt. Der Bayerische Tarock wird mit dem deutschen Blatt und nur 36 Karten (mit den Sechsern) gespielt.

Karnöffel, Teufel, Reisige, Papst und Kaiser

Dagegen stammt Schafkopfen sehr unwahrscheinlich vom Karnöffelspiel ab, wie des öfteren behauptet wird. Das Karnöffelspiel wird erstmals in den Spielordnungen von Nördlingen aus dem Jahre 1426 und der Balgauer aus dem J. 1448 erwähnt. Leider sind auch keine zusammenhängenden Beschreibungen des Spiels überliefert, das nach W.L. Schreiber in „Die ältesten Spielkarten“ besonders im 16. Jahrhundert sehr beliebt war. Es wurde bisher auch noch kein einziges Kartenspiel gefunden, das als Karnöffelspielkarten zu bezeichnen wäre. Allem Anschein nach wird Karnöffeln mit 48 Karten gespielt, die in folgender Weise rangierten: Unter (Karnöffel), Sieben (Teufel), Ober (Reisige oder Freie), Sechs (Papst), Zwei (Kaiser); während Banner, Drei, Vier, Fünf, Acht, Neun und Zehn (fauler Fritz) die niedere Kartengruppe (non-valeurs) bildeten, unter denen man sich lt. Schreiber Grafen, Ritter, Knechte, Geistliche und Mönche, später ausschließlich Landsknechte, vorstellte. Schafkopf ist vermutlich im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entstanden und war davor unter den Namen Societäts-, Denunciations- und Conversationsspiel bekannt. Aus ihm wurde 1810 das Skatspiel entwickelt, das ursprünglich auf den Namen „Erzgebirgischer Schafkopf“ getauft wurde. Entwickelt wurde das Skatspiel von dem Gymnasialprofessor Johann Friedrich Ludwig Hempel, dem Medizinalrat Dr. Hans Carl Leopold Schuderoff, dem Hofadvokat und Notar Friedrich Ferdinand Hempel, dem Ratsherrn Carl Christian Adam Neefe und dem Kanzler Hans Karl Leopold von der Gabelentz. Erst etwa 1901 wird allmählich vom Deutschen Blatt auf das Französische Blatt umgestellt, als beim IV. Kongress in Magdeburg mit 50:50 Stimmen darüber abgestimmt wurde. In der Skat-Historie ist nachzulesen, dass einer der Väter des Skats der Schafkopf gewesen sei. Dies ist deshalb sehr verwunderlich, da keiner der Skat-Erfinder selbst Schafkopf spielen konnte. Aus dem „Bayerischen Schafkopf“ ist auch das Doppelkopfspiel entstanden das überwiegend in Norddeutschland und in der Rhein-Main-Gegend gespielt wird.

Entstehung des Schafkopfspiels

Über die Entstehung des Schafkopfspiels gibt es die interessantesten Theorien. Keine davon wurde ernsthaft erforscht und historisch nachgewiesen. Immer wahrscheinlicher erscheint die Ableitung, dass Schafkopf etwas mit einem Schafskopf zu tun haben könnte, indem gewonnene Spiel mit Kreidestrichen zu einem Schafskopf zusammengefügt wurden. Der Leiter der Bayerischen Staatsbibliothek Professor Rosenfeld hält diese Theorie für falsch, da es keinen Sinn machen würde einen Schafskopf zu kritzeln, den ohnehin kein Mensch als solchen erkennt. Schließlich wurde seit jeher um Geld Karten gespielt. Was gäbe es da für einen Sinn, erst einen Schafskopf zu zeichnen. Hier irrt Professor Rosenfeld vermutlich, da diese Kreideskizzen vereinzelt in alten Wirtshäuser aufgefunden wurden.

Schaffkopf oder Schafkopf

Vertreter der Theorie, dass Schafkopf früher mit zwei „ff“, also Schaffkopf geschrieben wurde, konnten bisher keinerlei urkundliche Erwähnungen vorlegen. Franz Ringseis vertrittt in seinem „Ringseis` Bayerisches Wörterbuch“ zwar die Meinung, dass dies die einzig richtige Schreibweise sei, „weil Kartenköpfe ausgeschafft werden“ liefert aber keinen Quellbeweis dafür. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Überlieferungen und namentlichen Nennungen schreiben „Schafkopf“ mit einem „f“. Die ältesten nachgewiesenen Spielregeln für den Bayerischen- oder Süddeutschen Schafkopf finden sich im „Schafkopf- Büchlein“ aus Amberg, das im Jahre 1895 im „Obsis-Verlag“ erschienen ist. Der Autor kennt nur das Wort Schafkopf mit einem „f“. Und auch der Bayerische Sprachforscher Johann Andreas Schmeller (1785-1852) schreibt in seinem vierbändigen „Bayerischen Wörterbuch“ das Wort Schafkopf mit einem „f“.

Ebenso lehnt Professor Hellmut Rosenfeld die Theorie ab, dass das Wort Schafkopf von „schaffen“ kommt. Diesen Ausdruck kennt man wohl beim „Watten“, wo ausgeschafft wird, aber beim Schafkopfen ergibt das Wort absolut keinen vernünftigen Sinn.

Unterstellt man, dass es vor 1790 keinerlei urkundliche Nachweise für die Existenz des Schafkopfens gibt, dann ist die Vermutung schon sehr abwegig, dass Schafkopfen von den Schäfflern und dem Kartenspiel auf Fässern, den Schaffen, abzuleiten ist, wie Wolfgang Peschel in seinem Buch „Bayerisch Schaffkopfen“ schreibt. Warum sollten gerade die fleissigen Schäffler auf dem Produkt Karten spielen, das sie herstellen. Die hatten gar keine Zeit dazu. Da wäre es schon naheliegender, dass Soldaten, freie Bergleute oder Beamte Karten spielten, die über mehr Zeit hierfür verfügten.

Unterschiedliche Varianten in Schwaben, Franken, Oberpfalz

Äußerst schwierig ist es auch so allgemein vom „Bayerischen Schafkopf“ zu sprechen, da in den heutigen Regierungsbezirken von Schwaben, Franken oder der Oberpfalz ganz unterschiedliche Varianten gespielt wurden und auch noch heute gespielt werden. Oder wäre eine Einteilung nach Bistümern, Grafschaften oder Provinzen aufschlussreicher? Gehörten Tirol, Salzburg oder Böhmen um 1850 zum Verbreitungsgebiet des Bayerischen Schafkopf? Vermutlich wird die Geschichte des Schafkopfens erst in der Zukunft geschrieben.

Bayerisches Kartenbild seit 1810

Das heute übliche Bayerische Kartenbild tauchte um 1810 erstmals auf. Es wurde dem bürgerlichen Kartenfabrikanten Joseph Fetscher (1792 – 1824) aus München zugeordnet. Das Kartenbild enthielt 36 Karten, so wie sie eigentlich für das Tarockspiel benötigt werden.

Interessant ist auch der Umstand, dass die Sau (das As) beim Schafkopf 11 Augen (Punkte) zählt. Früher bezeichnete man die Saukarte, auch als Daus (Sau), die eigentlich eine Zweier-Karte war. Während ehemals auf allen vier Säuen, also Eichel-Sau, Gras-Sau, Herz-Sau und Schellen-Sau eine Sau abgebildet war, findet sich heute nur noch auf der Schellen-Sau eine Sau, da wo „der Hund drauf sitzt“.

Kartenspiele entwickeln sich im Laufe von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten immer weiter. Landesspezifische Strömungen gestalten, verbessern und verändern die Regelwerke, das Aussehen, sowie die Ziele.

Die ersten nachweislichen Nachrichten von Spielkarten fanden sich in Florenz, in der Florentiner Verordnung vom 23. März 1376 und 1378 in Regensburg. Diese Spielkarten hatten meist ein Format von 310 x 430 mm, was ausserordentlich schwer in der Hand zu halten war.

Das Kartenspiel war kein Landsknecht- oder Arme-Leute-Spiel. Es wurde für den Adel und angeblich für den erkrankten König Charles VI. zu dessen Aufmunterung und Ablenkung erfunden. Das Kartenspiel hatte aber nicht nur Freunde. Ein besonders einflussreicher Gegner war der hl. Bernhardin von Siena. Er predigte von seiner Kanzel (vermutlich am 5. Mai 1423) so eindringlich gegen Kartenspielen, dass die Zuhörer dem Spiel abschworen und ihre Spielkarten verbrannten.

Es ist nicht auszuschliessen, dass man vor 1790 schon Schafkopf, egal mit welchen Regeln spielte, aber das ist historisch nicht belegt.