Fragen an die Schafkopfschule

Immer wieder erreichen uns Fragen rund um das Schafkopfspielen oder zu den Regeln. Diese veröffentlichen wir hier in loser Reihenfolge. Eure Fragen sendet Ihr bitte an .

Bedenkzeit vor möglichem Kontra ok?

Frage Herr B. - November 2016.

Frage

Liebe Schafkopfschule!
Frage: Bin 2. und habe ein Sauspiel , 1. Spieler spielt aus, 3. Spieler sagt warte mit Einwurf, er will Kontra überlegen. Muss ich als Spieler auf das Kontra warten, oder kann ich weiter spielen, wenn ich will.

Beste Grüsse von Schafkopfspieler : J. B.

Antwort

Servus J.,

danke für Deine Anfrage!
In diesem Fall kannst Du das drohende Kontra leider nicht einfach dadurch verhindern, indem Du trotz der geäußerten Aufforderung kurz zu warten schnell weiterspielst und die zweite Karte reinwirfst.

Am ehesten ist das vergleichbar mit der Situation, wenn die Sieger noch kurz nachdenken wollen, ob bzw. wieviele Laufende sie hatten. Hier "verjährt" deren mögliche Forderung ja grundsätzlich mit Ende des Abhebevorgangs. Auch hier darf das Abheben aber durch das deutliche Bitten um eine kurze Bedenkzeit gestoppt werden und man verhindert die berechtigte Forderung nicht wirksam dadurch, indem man einfach trotzdem schnell abheben lässt.

Insgesamt sehe ich dieses typische "Moment!" als eingeforderte "Kontra-Denkpause" aber sehr kritisch und es sollte die absolute Ausnahme bleiben. Oft geht das Ganze nämlich nicht mit einer Spritze weiter, sondern mit "Ist gut, spiel zu", oder so ähnlich. In diesem Fall wird dadurch auf recht unschöne Art und Weise das Spiel aufgeklärt und somit das Ausspiel- und Schmierverhalten der anderen Spieler hart an der Grenze zur Regelwidrigkeit beeinflusst.

Daher sollte eigentlich jeder erfahrene Spieler in der Lage sein, sein Blatt so rasch einzuschätzen, dass er entweder wahlweise vor dem Ausspiel, oder eben bis zum ersten Blatt seinen Stoß gibt, oder eben nicht....

Die von Dir geschilderte Szene führt daher nicht selten zu m.E. durchaus berechtigten Diskussionen in diese Richtung.

Mein Rat wäre daher, dass man sich vor Beginn der Runde nach Möglichkeit einvernehmlich darauf verständigt, es im Sinne der Fairness gar nicht erst zu dieser Situation kommen zu lassen.

Ein harter Regelverstoß ist das aber trotz allem nicht, daher gilt das eingangs Gesagte in Bezug auf Deine Frage.

Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Hochzeit mit 8 Trumpf möglich?

Frage Herr H. - August 2016.

Frage

Hallo liebe Schafkopfschule,
Hochzeitspiel: Ein Spieler hat mit "Herz" acht Trumpf …darf er Hochzeit annehmen und seinem Mitspieler dadurch ja wieder einen Trumpf zurückgeben?

Herzlichen Dank für die Antwort
Immer farbig bleiben
K. H.

Antwort

Servus Klaus,
eine Hochzeit kann nur angenommen werden, wenn man zumindest eine Karte besitzt, die kein Trumpf ist.
Einen Trumpf weiterzuschieben ist generell bei der Hochzeit nicht gestattet. Daher klappt das mit 8 Trümpfen nicht mit der Hochzeit.

Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Gewinnregeln: 60:60 bei Kontra

Frage Herr S. - Juni 2016.

Frage

sgd+h, ich spiele schon 40 jahre schafkopf in mehreren gruppen. vielleicht könnnen sie mir weiterhelfen.
ich wäre ihnen sehr dankbar. folgende situation:
ich spiele und bekomme ein kontra. beide parteien haben jeweils 60 augen.
wer hat gewonnen? benötige ich wenn ich kontra gebe nicht  61 um zu gewinnen ? oder ?

mfg. w. s.

Antwort

Servus W.,
 
die Antwort auf Deine Frage ist ganz klar "Spieler bleibt Spieler" und findet sich in unserem Regelwerk in Punkt 3.3.4.
Demnach bleibt der Spieler auch bei einem Kontra Spieler und benötigt daher weiterhin 61 Augen zum Spielgewinn.
 
Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.
Nachträgliches Erhöhen von Rufspiel auf Solo noch möglich?

Frage H. K. - Mai 2016.

Frage

Hallo und Servus,
Situation: 4 Spieler; der erste sagt weiter, der zweite ebenso, der Dritte sagt ich spiele, der Vierte sagt weiter. Der Dritte sagt ich spiele mit der Alten. Fächert seine Karten neu auf und stellt fest, dass er nun zu seinen 5 Bauern nun zwei Eichel und die Herzsau hat. Er erklärt den Mitspielern, dass er beim Auffächern erst das Solo feststellen konnte weil er sein Rufspiel basierend auf der Tatsache mit 7 Karten und nochmaligem Auffächern dann in Kenntnis eines Solos kam. Kann er Erhöhen, weil noch keine Reaktion (Auswurf, Kontra,etc.) erfolgte. Ein Spieler akzeptierte die Absicht von Spieler 3 nicht und verwehrte das Solo-Spiel.
Ich finde im Reglerwerk (z.B.2.4.10) keine Erklärung hierzu ob der Spieler erhöhen kann

Danke für eure Auskunft
H. K.

Antwort

Servus H.,

danke für Deine Anfrage!
Mit 2.4.10 liegst Du goldrichtig. Demnach ist eine getätigte Spielansage bindend und unwiderruflich. Wer - nachdem sich alle Spieler erklärt haben- ein konkretes Spiel ansagt, sollte daher schon vorher seine Karten aufgefächert, bzw. geprüft haben welches Spiel das für ihn aussichtsreichste ist.
Auch das "Weiter" kann z.B. nachträglich nicht mehr in ein Spiel abgeändert werden.
Das bereits angesagte Rufspiel mit der Alten muss daher in diesem Fall auch gespielt werden. Ein nachträgliches Erhöhen ist nicht möglich. Ob bereits ausgespielt oder ein Kontra gegeben wurde, spielt in dem Fall keine Rolle.

Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Wie lange dürfen Laufende noch nachverlangt werden?

Frage H. S. - April 2016.

Frage

Hallo,

gestern gab es Steit darüber, ob die Gewinner, nachdem das Spiel beendet war, der nächste Spieler die Karten schon gemischt hatte und auch abgehoben war -nur wurde der abgehobene Stapel noch nicht wieder zurück auf den anderen Stapel gelegt- laufende Ober nachverlangen kann, die vorher nicht berechnet worden waren?
Der Abheber meinte, dass solange er die Karten nicht wieder zurück auf den Stapel gelegt hat, er nachverlangen kann.
Bitte um Aufklärung, damit in Zukunft Streit vermieden werden kann.
Vielen Dank
 
mfG H. S.

Antwort

Servus H.,

danke für Deine Anfrage!
Laufende können noch nachverlangt werden, solange noch nicht abgehoben ist.
So wie ich Dich verstehe, wart ihr Euch in diesem Punkt ja grundsätzlich einig.
Die Frage ist nun, wann der "Abhebevorgang" tatsächlich als abgeschlossen zu werten ist, also wann genau die Möglichkeit einer Nachforderung "verjährt".

Korrekt und vollständig abgehoben ist dann, wenn wieder alle 32 Karten in einem Stapel liegen, so dass der Geber mit dem Ausgeben der Karten für das nächste Spiel beginnen kann. In diesem Fall war das noch nicht erfüllt, demzufolge war der Vorgang des Abhebens noch nicht vollständig abgeschlossen und die Laufenden durften noch nachverlangt werden.

Ich hoffe das klärt Deine Frage für künftige Fälle dieser Art.

Viele Grüße
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Doppelhochzeit - wer gewinnt mit 60?

Frage M. S. - April 2016.

Frage

Servus zusammen,

gestern hatten wir in unserer Schafkopfrunde eine Situation, die uns in den 20 Jahren unseres Spiels noch nicht vorgekommen ist. Zwei Spieler meldeten mit jeweils einem Trumpf eine Hochzeit an. Die erste Karte wurde genommen und eine Hochzeit angemeldet- der andere Spieler nahm die weitere Karte auf, sodass es zu einer Doppelhochzeit kam. Nun meine Fragen: Hat der 2. Spieler mit der Aufnahme der Karte das Spiel übernommen und kann der 1. Spieler Kontra zur Doppelhochzeit geben? Jede Partei hatte 60 Punkte-wer war der Sieger? Wir konnten uns nach längerer Diskussion nicht einigen. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen.

Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen
M. S.

Antwort

Servus M.,

bitte entschuldige, dass es etwas gedauert hat, aber ich wollte mich noch vergewissern dass ich richtig liege mit meiner Antwort:

Bei einer Doppelhochzeit ist derjenige, der als Erster die Hochzeit anmeldet - und demzufolge die erste Karte nehmen muss - automatisch der Spieler, der für seinen Spielgewinn 61 Augen benötigt.
Durch die Doppelhochzeit wird das Spiel also nicht übernommen, sondern Spieler bleibt Spieler!
Kontra kann jeder der beiden Spieler geben, die die Hochzeit angenommen haben. Auch in diesem Fall gilt aber, dass das Kontra nicht das Spiel übernimmt. Auch hier benötigt der Spieler im Falle eines Kontra weiterhin 61 Augen für den Sieg.

Ich hoffe, die Fragen sind damit beantwortet, auch wenn ihr sicher hübsch lange weiterspielen müsst, ehe sich diese Situation wiederholt...;-)

Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Abweichende Vorgabe des Hintermanns zum Austeilen der Karten ok?

Frage Frau K. - März 2016.

Frage

Hallo,
bei der Suche nach einer Antwort bin ich auf Ihre Seite gestoßen.
In unserer Spielgruppe ist ein Teilnehmer, der jedesmal, wenn er die Karten abheben müsste,
die Gabe von 8 Karten und die Reihenfolge bestimmt. ohne sie zu berühren (d.h. zu klopfen).
 
Ich möchte gerne wissen, ob es dazu Regeln gibt oder ob das jeder selber bestimmen kann.
 
Mit freundlichen Grüßen
M. K.

Antwort

Hallo Frau K.,
 
danke für Ihre Anfrage! Unter Punkt 2.2 in unserem Regelwerk finden Sie eine aus meiner Sicht eindeutige Antwort auf Ihre Frage. Demnach muss vor jedem Spiel zwingend ordentlich gemischt und abgehoben werden. Anschließend werden die Karten im Uhrzeigersinn ausgegeben (üblicherweise 2x4, bei Turnieren häufig 4x2).
 
Das Klopfen/Draufhauen und/oder eine abweichende Vorgabe für den Geber ist daher nichts anderes als eine regelwidrige Unsitte und der Versuch, den Mitspielern "eigene Regeln" aufzuzwingen.
 
Da es sich dabei durchaus um eine verbreitete Unsitte handelt, ist bei zahlreichen Turnieren das Klopfen als Alternative zum Abheben ausdrücklich im Rahmen der Turnierordnung verboten. Hintergrund ist natürlich, dass ohne ordnungsgemäßes Abheben, oder gar durch ein wahlloses Ausgeben von je 8 Karten auf einmal der Manipulation Tür und Tor geöffnet sind, weshalb bei Turnieren immer häufiger sogar kurz nachgemischt wird anstelle des Abhebens.
 
Es liegt also ganz an Ihnen, ob Sie diese Marotte Ihres Mitspielers weiterhin tolerieren, oder künftig auf ein regelkonformes Abheben und Austeilen der Karten bestehen. Wenn Sie mich fragen, dann ist das beschriebene Verhalten auch in einer privaten Runde in dieser Regelmäßigkeit definitiv zu beanstanden.
 
Eine ähnliche Unsitte ist z.B. das Anschauen der untersten Karte durch den Geber vor dem Austeilen. Hat absolut nichts mit Schafkopf zu tun, aber auch hier gibt es immer wieder Spezialisten, die sich bei Beanstandung entrüstet damit rechtfertigen, dass sie ja nur ihre eigene Karte vorzeitig sehen würden....
 
 
 
Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.
Alle haben Weiter - geht noch ein Solo bei der Muss-Spiel-Regel?

Frage Herr V. - März 2016.

Frage

Habe einen Fall gehabt, wie ist das, wenn alle weiter haben und der Alte muss spielen. Kann man da auch ein Solo spielen?
Hatte da viele verschiedene Meinungen, deswegen möchte ich ihre Meinung.

Antwort

Hallo Herr V.,
nach einem "Weiter" ist keine nachträgliche Spielansage mehr möglich.
Die mancherorts übliche Turnierregelung wonach der Alte muss, legt lediglich fest, wer trotz 4x Weiter ein Rufspiel machen muss.
Im Nachhinein noch ein Solo anzumelden, ist daher ganz klar sowohl mit, als auch ohne Muss-Spiel ausgeschlossen, sobald jeder Weiter gesagt hat.
In unserem Regelwerk ergibt sich das aus 2.4.10, wonach eine getätigte Spielansage unwiderruflich ist. Dazu gehört auch das "Weiter".

Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.

Muss-Spiel: Muss die Sau zugegeben werden, wenn beim Spiel auf einen Zehner gesucht wird?

Frage einer Damen Schafkopfrunde aus Eichenau - Februar 2016.

Frage

Hallo und Grüß Gott an die Herren der Schafkopfschule,
 
wir sind eine reine Damenschafkopfrunde und spielen regelmäßig 1 x pro Monat mit 8 – 12 Damen mit großer Begeisterung Schafkopf. Einmal im Jahr veranstalten wir ein internes Turnier und da haben wir nun leider eine ungeklärte Frage bezüglich eines sogenannten“Muss Spieles” und wären ihnen sehr, sehr dankbar, wenn sie uns bei der Klärung weiter helfen könnten.
Es ist doch so, dass der Spieler der den Eichel Ober hat ein Muss Spiel machen muss, wenn es so vereinbart ist, damit auch jeden Fall ein Spiel zustande kommt.
Für den Fall, dass er hierbei eine Sau rufen kann ist uns alles klar. Aber was ist, wenn er - wie ja erlaubt und möglich - evtl. mit einem10-er rufen muss, weil er gesperrt ist?
Muss dann beim Anspielen der gerufenen Farbe auf jeden Fall die entsprechende Sau zugegeben werden oder geht auch eine andere Karte dieser Farbe?
Weil ja evtl. in dieser Konstellation der 10-er zur Rufkarte geworden ist.
 
Wir würden uns sehr über eine zielführende Antwort freuen.
 
Freundliche Grüße von einer Damen-Schafkopfrunde aus Eichenau

Antwort

Hallo Frau S.,
vielen Dank für Ihre Anfrage! Gerne will ich Ihnen diesbezüglich weiterhelfen:
 
Zunächst muss ich gestehen, kein großer Freund dieses "Muss-Spiels" zu sein. Bei vielen Turnieren geht man in den letzten Jahren verstärkt dazu über, dass im Fall von 4x "Weiter" einfach derselbe Spieler nochmals gibt, solange bis ein Spiel zustande kommt. Gerade bei kleinen Turnieren fällt nämlich das einzige wirkliche Pro-Argument für das Muss-Spiel nicht ins Gewicht, wonach man einfach einen Tick schneller fertig ist mit dem Turnier, weil es so seltener zu stark unterschiedlicher Spieldauer an einzelnen Tischen kommt.
 
Das nur vorab angesichts diverser Erfahrungen mit der begrenzten Freude, mit dem blanken Alten spielen zu müssen, nur um dann im Nachhinein festzustellen, dass vielfach gezielt gemauert wird...
 
Die gebräuchlichste Form des Muss-Spiels geht so:
Kommt kein Spiel zustande, muss derjenige spielen, der den Eichelober besitzt. Nur dann, wenn er insgesamt 1, 2, oder maximal 3 Trümpfe besitzt, ist es ein "echtes" Muss-Spiel, bei dem der Spieler ausnahmsweise bereits mit 60 Augen gewinnt und mit 30 Augen schneiderfrei ist (statt 61/31).
Das muss dann bei der Spielansage kenntlich gemacht werden, in dem man sagt, "der Alte muss....", anstatt "der Alte spielt...".
 
Ist der Spieler gesperrt, muss er zunächst mit einer "fremden" Sau spielen, zu der er keine andere Karte besitzt. Das nennt man "Renonce" und das muss ebenfalls bei der Spielansage dazu gesagt werden, damit jeder weiß, dass der Spieler in dem Fall z.B. Gras frei ist, obwohl er mit der Blauen spielt. ("Der Alte spielt/muss Renonce mit der Blauen").
 
Erst wenn der Spieler alle 3 Rufsäue selber besitzt, kann, bzw. muss er einen Zehner rufen.
Bei diesem relativ seltenen Fall übernimmt der gerufene Zehner die "Rolle", die man ansonsten von der As kennt: 
D.h. Im Falle des Suchens muss jetzt zwingend der Zehner zugegeben werden, auf den gespielt wird, so wie es üblicherweise bei der Rufsau der Fall ist. Natürlich sticht auch hier wie immer die As den Zehner. Bei der Sau fällt dagegen in diesem Fall die zwingende Bedienpflicht flach, da diese ja in dem Fall uninteressant ist für die Frage, wer der gerufene Spieler ist, bzw. eh klar ist, dass alle Rufsäue ja beim Spieler selbst sitzen müssen.
 
Fazit: Beim Muss-Spiel, bei dem man mit allen 3 Rufsäuen gesperrt ist, muss - sofern gesucht ist - zwingend der gerufene Zehner zugegeben werden. Die As dagegen nicht zwingend.
 
Viel Spaß bei Ihrer Runde und viele Grüße,
 
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.
Tout oder Sie ?

Frage von Hans B. - Januar 2016.

Frage

Sgh Damen und Herren,

ich habe vor kurzem ein Turnier besucht und nachstehende Situation mit erlebt:
Ein Spieler am Tisch hatte alle 4 Unter und alle 4 Asse. Die Turnierleitung wurde gerufen, um das anstehende Spiel anzumelden. Die Frage war aber welches Spiel eigentlich? Ein "Tout" oder ein "Sie", zumal dieser Spieler, in diesem Spiel, auch noch Ausspieler war.
 
Argumente:

  • Bei einem "Tout" hat die gegnerische Partei eine Gewinnmögichkeit, die in der Regel gering ist
  • Bei einem "Sie" hat die gegnerische Partei keine Möglichkeit überhaupt einen Stich zu machen (Dann wäre selbst eine Farbwenz mit 4 Unter und Ass,Zehner, König und Ober aus eine Farbe ein "Sie")
  • Ein "Sie" darf nicht mehr Punkte geben als ein "Tout", da jeweils die gegnerische Partei keinen Stich macht
  • Wie soll man den "Sie" bezahlen, wenn ich eine "Tout" mit dem selben Blatt spiele erhalte ich auch nicht mehr Geld, warum also mehr Punkte

In der obigen Situation wurde dann ein "Tout" gespielt, weil keiner der Anwesenden eine 100% Antwort hatte.

Ich habe mich nun gefragt, ob Sie mir weiter helfen können und eine verbindliche Aussage machen können.
 
MfG
Hans B.

Antwort

Servus Herr B.,
danke für die interessante Anfrage, die ich gerne beantworten will:
 
Ein "Sie" beim Schafkopf sind ausschließlich die 4 Ober und Unter, insofern war es korrekt, dass das Spiel nicht als solcher behandelt und gewertet wurde.
 
Beim Tout gibt es solche, die theoretisch verlierbar sind, es gibt aber auch Tout's, die unverlierbar sind (zB als Ausspieler ein Solo-Tout mit 8 Trumpf und 6 Laufenden). Natürlich ist auch das geschilderte Blatt mit 4 Untern und 4 Säuen ein unverlierbarer Wenz-Tout. Trotzdem wird auch ein unverlierbarer Tout dadurch nicht zum "Sie".
Der liegt wie gesagt regeltechnisch nur vor, wenn man alle 8 Herren auf der Hand hat.
 
Zur Bezahlung: Der Tout wird doppelt gewertet ( Grundtarif + Laufende x 2). Schneider/Schwarz wird in dem Fall nicht berechnet, da das bereits die zwingende Grundvoraussetzung für einen gewonnenen Tout darstellt.
Ein "Sie" zählt dann gegenüber dem Tout bei der Abrechnung nochmal doppelt, also im Ergebnis Grundtarif + 8 Laufende x 4.
 
Ich hoffe, Ihre Frage ist damit soweit geklärt. Knackpunkt ist wie gesagt, dass die Unverlierbarkeit eines Blattes alleine noch keinen Sie ausmacht.
 
Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven
Schafkopfschule e.V.
Problem bei der Spielansage

Frage von Angelo M. - Dezember 2015.

Frage

Wir haben eine Frage zu folgende Spielstuation:

S1 sagt weiter
S2 sagt weiter
S3 sagt spiele
S4 sagt spiel auch

S3 frägt S4 was er spielt,
S4 sagt Herzfarbwenz
S3 sagt er spielt Solo
S4 Antwortet : moment, ich spiele ein Herzwenztout!!

Meine Frage: kann S4 nach der Soloansage vom S3 nun das Wtout nachlegen ???

Danke im Voraus

Angelo M.

Antwort

Servus,
danke für Deine Frage, die ich gerne beantworten will:
 
Das Problem ist aus meiner Sicht dadurch entstanden, dass nicht korrekt vorgegangen wurde bei der schrittweisen Festlegung, wer am Ende das Spiel macht.
 
Nachdem S3 vor S4 sitzt, ist es immer S4, der im Zweifel das Spiel von S3 überbieten muss, da dieser bei 2 identischen Spielen ( z.B. beide haben einen FW auf der Hand) aufgrund seiner Sitzposition mit seiner Spielansage Vorrang hat.
Daher macht es keinen Sinn, dass S3 bei S4 nachfragt, was der denn zu spielen gedenkt, um sich dann seinerseits daran zu orientieren. Völlig unnötig klärt nämlich in diesem Fall S4 schon das Spiel auf und verrät sogar schon die Farbe seines Spiels.
Aufgrund dieses Informationsvorsprungs würde S3 nun sehr wahrscheinlich kein Herzsolo mehr spielen...
 
Die korrekte Vorgehensweise - ohne Spielaufklärung und Konfliktstoff - wäre daher wie folgt:
 
S3: spiele
S4: spiele auch
S3: ich hätte ein Solo
S4: Herzwenz-Tout
 
Hier gibt S3 klar zu erkennen, dass er a) selber ein Alleinspiel hat und b) S4 über dieses Spiel weder mit Wenz/Farbwenz, noch mit einem normalen Solo drüberkommt.
 
Alternative, sofern S3 evtl. selbst mit einem FW liebäugelt, den er notfalls aber auch zum Solo umtaufen könnte, sofern S4 selbst ein Solo planen sollte.
 
S3: spiele
S4: spiele auch
S3: spiele selbst
(Nun weiss S4 bereits, dass S3 selbst ein Alleinspiel hat und ein normaler FW keinesfalls reicht, um S3 das Spiel abzunehmen.)
S4: Farbwenz Tout
 
Auch hier wird vermieden, dass ohne Not bereits konkrete Spielvorhaben mit Nennung der Farbe verraten werden.
 
Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt. Zur Frage, ob es angesichts der von Euch gewählten Vorgehensweise für S4 noch möglich war, das Solo von S3 zu überbieten, ist meine Antwort Ja.
S4 entscheidet sich am Ende für das höherrangige Spiel und "erhöht" seinen schon angesagten FW auf einen FW Tout, nachdem er von S3 dazu gezwungen wird.
Sofern er vorher nicht schon "Weiter" gesagt hat, darf er das.
 
Klar und absolut regelkonform im Ablauf wären aber die dargestellten Varianten.
 
Viele Grüße und weiterhin viel Spaß beim Zocken!
Stefan Aldenhoven 
Schafkopfschule e.V.
Davonlaufen oder nicht ?

Frage von Jürgen - November 2015.

Frage

Hallo liebe Leute!
Über eiine Schafkopf-App bin ich auf eure Seite gestoßen.
Erstmal Kompliment für den professionellen und gelungenen Auftritt!

Wir sind vier Amateurspieler, die immer mal wieder Diskussionen zu den Regeln haben.
Insbesondere zum Rufspiel.
Wir spielen mit 6 Karten.

Folgende Sachverhalte:

Situation 1:

Grün ist gerufen, wurde aber noch nicht angespielt.
Jeder hat noch 2 Karten.
Angespielt ist eine Farbe.
Der Gerufene hat diese Farben nicht, dafür aber 2 Grün.
Darf er die Rufsau spielen? Muß er die Rufsau spielen, oder muß er seine 2. Grün spielen?

Situation 2:

Der Gerufene ist Ausspieler und hat noch die Rufsau und eine zweite Karte der gleichen Farbe.
Davonlaufen kann er m.E. nach nicht. Also muß er die Ruf anspielen. Ist das richtig?

Es wäre prima, wenn wir von euch eine fachkundige Antwort bekommen könnten.
Wie würdet ihr das regeln?

Danke einstweilen! Und Gruß aus Franken

Jürgen

Antwort

Servus Jürgen,
 
danke für Dein nettes Feedback und Deine Fragen zu den beiden Konstellationen.
 
Zu 1: Die Rufsau darf - solange nicht gesucht, bzw. davongelaufen wurde - nicht anderweitig während des Spiels zugegeben, oder geschmiert werden. Daher muss man in diesem Fall zwingend bis zum letzten Stich warten und der Spieler in Fall 1 muss hier - da erst vorletzter Stich - sein zweites Grün spielen.
 
Zu 2 : da wie schon richtig bemerkt die Voraussetzungen für ein regelkonformes Davonlaufen nicht vorliegen, muss der Spieler in diesem Fall zwingend die Rufsau bringen. Ist natürlich dasselbe im drittletzten Stich, wenn man Ausspieler ist und hat die Rufsau mit noch 2 weiteren Karten der Ruffarbe auf der Hand. Auch dann muss man die Sau zwingend spielen.
 
Ich hoffe, Euch hiermit geholfen zu haben und wünsche Euch viel Spaß beim Schafkopfen!
 
Viele Grüße,
Stefan Aldenhoven 
Schafkopfschule e.V.