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Schafkopf ist kein Glücksspiel! Spessarträuber-Preisschafkopf
(korrigiert nach einer Stellungnahme von Bürgermeister Bauer)
Am 28. August 2010 fand in Dammbach ein Preisschafkopf mit Regeln statt, die mit den uns bekannten Schafkopfregeln nicht mehr viel gemeinsam haben. Der Bürgermeister von Dammbach, Roland Bauer, lockte Schafkopfspieler selbst aus dem entferntesten Niederbayern, mit der Aussicht auf einen spektakulären 1. Preis: einem Bauplatz im Wert von 39.000 €, in der Bayrischen Gemeinde (Unterfranken) Dammbach. Insgesamt sollten Preise im Wert von 54.000 € ausgeschüttet werden! So die vollmundige Ankündigung.
Dazu propagierte Roland Bauer sein Schafkopfturnier in allen Medien um auch wirklich alle passionierten Schafkopfspieler zu erreichen und zu mobilisieren. Bereits am 13.7.2010 erklärte er in der Südwest-Presse: Ob das Turnier zustande kommt, ist nicht mehr wichtig. 400 Teilnehmer werden benötigt, um die Kosten einzuspielen. Es haben sich zwar erst 85 Spieler angemeldet, von denen nur 16 die Gebühr bezahlt haben. Doch die Ankündigung des Immobilen Hauptgewinns hat so viele Interessenten in den Ort gelockt, dass drei der vier kommunalen Bauplätze bereits verkauft sind. "Besser hätte es nicht laufen können", sagt der Bürgermeister. Touristen logieren im Romantik-Landhaus und in zwei Hotels, von denen eines, mit dem "größten Hallenbad Nordbayerns", dem Bürgermeister gehört (O-Ton Südwest-Presse).
Im Internet wurden die Regeln veröffentlicht. Regeln, die Schafkopf zu einem Glücksspiel werden lassen und unsägliche Diskussionen und Streitereien hervorrufen werden. Darauf habe ich den Bürgermeister im Vorfeld hingewiesen. Genau so kam es auch. Es wurde bereits vor Spielbeginn mit der Turnierleitung debattiert, weshalb erst eine Stunde später begonnen werden konnte.
Die Spielregeln sahen ein Punktesystem vor, zu dem man besser einen Taschenrechner mitgenommen hätte und sich die Listenschreiber nahezu ständig korrigieren und mehrmals die Summen nachrechnen mußten.
Erlaubt waren Rufspiel, Wenz, Geier und Solo (kein Farbwenz oder Farbgeier). Schneider war auch der Nichtspieler mit 30 Augen und Davonlaufen konnte die gerufene Sau bereits mit 2 Karten in der gerufenen Farbe.
Für das Rufspiel gab es 5 Punkte und für einen Tout mit 4 Obern oder Untern erhielt man sage und schreibe 270 Punkte. Das bedeutet, dass man erst wieder 54 Rufspiele gewinnen mußte um diesen Vorsprung aufzuholen. Für ein Solo mit 4 Laufenden und Schneider-Schwarz gab es immerhin noch 135 Punkte (das ist das 27-fache eines Rufspiels).
Entscheidend für Glück oder Niederlage waren damit ausschließlich die Laufenden Ober oder Unter. Riskante Spiele (z.B. ohne 3 Laufende) waren gar nicht mehr denkbar. Verlor man so ein Spiel, konnte man im Anschluß gleich nach Hause fahren.
Gespielt wurde in einem großen Festzelt und die Gemeinde bemühte sich um das Schafkopfturnier zu einem außerordentlichen, überragenden Event werden zu lassen. Selbst das Technische Hilfswerk wurde eingespannt (servierte ein leckeres Gulasch) und die freiwillige Feuerwehr leistete Starthilfe wenn ein Fahrzeug nicht mehr ansprang. Die Teilnehmer waren durchwegs nett und man sah auch sehr viele Schafkopfer, die man auch auf anderen Turnieren antreffen kann.
Dann die Enttäuschung. Es kamen nur 160 Teilnehmer. Die Gemeinde kassierte dennoch das Startgeld von 120 € und reduzierte den 1. Preis von 39.000 € (Bauplatz) schnell mal auf nunmehr 6.000 €. Die angekündigten 150 Preise wurde ganz schnell wieder verräumt und plötzlich waren nur noch 50 Preise da.
Übrigens. Auf der Website der Gemeinde stand kein Wort davon, dass der Bauplatz nur ausgespielt wird, wenn 400 Teilnehmer kommen und auf der eigens dafür geschaffenen Website kann man das nicht mehr feststellen, da dort nur noch steht „Preis-Seite wird aktualisiert“. Es wurde jedoch in verschiedenen Anzeigen (z.B. Schafkopfbladl) klar gesagt, dass der Bauplatz nur ausgespielt wird, wenn mindestens 400 Spieler kommen. Aber wie gesagt, war dies im Vorfeld nicht überall so deutlich angekommen.
Andererseits gab es nichts Umsonst. Die Gemeinde verkaufte die Spielkarten für 2,00 €, die von einem Sponsor, dessen Firma auf der Rückseite eingedruckt ist, bereits bezahlt waren. Ein Kartenpäckchen kostet sonst ca. die Hälfte.
Ausdrücklich möchte ich mich von der Ansage des Bürgermeisters distanzieren, dass er sich bei den Regeln an das Regelwerk der Schafkopfschule angelehnt hätte. Er hat einige Punkte übernommen, aber nichts Wesentliches.
Nein! Herr Bauer, das Turnier war ein Werbegag für ihre Gemeinde, für ihr Hotel und diente dem Verkauf ihrer Bauplätze. Dazu haben Sie sich des Schafkopfspiels bedient und es zu einem Glücksspiel werden lassen. Bitte machen Sie das nie wieder! Zu diesem letzten Absatz stehe ich, auch wenn alle eingenommenen Startgelder ausgeschüttet wurden und die Gemeinde keinen Gewinn erzielt hat, was ich gerne glaube.
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